Mittwoch, 14. Juli 2010

Almstyle


Was uns als erstes auffällt als wir die ersten Bilder von der Alm sehen, ist der neue Almstyle unsere Bergfamilie. Nicht nur, dass sie jetzt ihre praktischen Arbeitsoveralls tragen - auf den Köpfen der beiden Almdamen flattern bunte Kopftücher. "Ach, wie passend", denken wir Flachländer, "wie auf der Postkarte."
Mit Romantik hat die geknotet Kopfbedeckung jedoch wenig zu tun, wie wir schon sehr bald erfahren. In einem kleinen Stall zwischen den Kühen auf einem Melkschemel zu sitzen, birgt einige Gefahren für die Frisur. Nicht nur, dass ab und an ein Kuhschwanz lustig über das Haupt wedelt, auch andere Dinge, die Kühe unmittelbar und in größeren Mengen von sich geben, fliegen hier ab und an durch die Lüfte - nicht gut für eine perfekt sitzende Haartracht und auch nicht lecker zu riechen. Also auf den Kopf mit den Tüchern!

Freitag, 25. Juni 2010

Kinderleicht?



Die erste Woche auf der Alm ist von traumhaftem Wetter begleitet - auch wenn der komplett neue Lebensrythmus noch ungewohnt und die Arbeit hart ist. Um 6 Uhr morgens im Stall zum Melken antreten ist nicht gerade der Traum eines Teenagers. Was die Laune von Paul noch mehr in den Keller rutschen läßt: Ihn hat der Heuschnupfen komplett umgehauen. Im Flachland noch erträglich, ist die Alm mit ihrer Gräservielfalt eine echte Herausforderung für jedes Heuschnupfenmedikament. Besser wird es erst nach ein paar Tagen - als es wieder zu schneien beginnt.




Des einen Freud, des andren Leid: Während der Heuschnupfen Pause macht, friert die Familie bei 5 Grad in der Hütte, da nur die Küche geheizt ist. Jeder Gang zum außen liegenden Klo kostet Überwindung. Und zum Schrecken aller zieht sich Emma einen schweren Magen-Darm-Infekt zu, der sie 6 Tage lang leiden läßt.

Hoch gehts


6 Uhr morgens, Westenberg in Tirol. Es ist endlich soweit: 27 Rindern, ein halbes Dutzend Treiber, ein Kamerateam und die Familie starten zum Almauftrieb.

Die Rinder legen ein ordentliches Tempo vor, der Weg ist unwegsam und alle sind erstaunt, wie trittsicher die Tiere auch über die schwierigsten Stellen kommen. Insgesamt 3 Stunden dauert der Aufstieg über Stock und Stein und auch durch Bäche über mehr als 500 Höhenmeter auf die „Lärchenberg-Alm".

Alle sind heil oben angekommen: Die Tiere, die Familie und auch das Team, das den Marathon filmisch festgehalten hat.
Das Wetter ist grandios, der Blick unglaublich. Zum ersten Mal lernt unsere Familie ihr neues Heim kennen und im strahlenden Sonnenschein ist es doch ein bißchen "Heidi"...

Montag, 14. Juni 2010

Shopping für die Alm

Während es auf der Alm noch immer schneit, macht sich die Familie in Mainz ans Packen.

Würde Emma alle ihre geliebten Kuscheltiere mitnehmen, dann wäre die Kiste schnell voll. Und sie hat nur eine Kiste, die sie mit Spielzeug bestücken darf, um sie mit auf die Alm zu nehmen. Da fällt die Entscheidung schwer.

Auch der Abschied von den Klassenkameraden steht jetzt an, wobei sie mit einigen in ständigem Kontakt bleiben werden, um den Schulstoff auch in Österreich nicht zu verpassen.

Der letzte Dreh im heimischen Ober-Olm, die letzten Einkäufe, um mit adäquater Kleidung für den Stall gerüstet zu sein. Denn eines haben sie schon nach dem ersten Tag im Stall gelernt: Eine Jeans wird schnell feucht und dreckig - und ohne Waschmaschine überlegt man sich genau, was man zum Melken anzieht und so werden im nächsten Baumarkt schicke Arbeitsoveralls erstanden.
Und warme Schlafsäcke für kalte Nächte.
Die ersten Bilder der Almhütte rufen heftige Reaktionen hervor. Die eine Fraktion ist entsetzt über die karge Unterkunft und die Enge des Raums, die andere möchte sofort mit der Familie tauschen und träumt vom Aussteigen in die ursprüngliche Natur.


Die Familie ist erstaunlich entspannt - die Entsetzensrufe erreichen jedenfalls nicht unser Büro - was vielleicht auch daran liegt, dass Paul, der Sohn der Familie, sich weigert, die Bilder anzuschauen. Aus Angst, dass er dann gar keine Lust mehr darauf hat.


Aus filmischer Sicht sind wir natürlich begeistert, machen uns aber Gedanken, wie die Familie dort oben eine längere Schlechtwetterperiode aushalten kann. Wochenlanger Regen und Nebel und extremer Platzmangel sind keine optimale Ergänzung.

Erschwerend kommt hinzu:

Eine Familie auf engstem Raum ist schon schwierig, mit einem Fremdem in drei Zimmern zu wohnen, eine echte Herausforderung. Denn Senner Sepp Kahn soll der Familie in den ersten Wochen unter die Arme greifen.

Freitag, 11. Juni 2010

Vom Lerchenberg zum Lärchenberg

Während Stefan und seine Frau zum ersten Mal ein Euter anfassen und die Mistgabel schwingen, sind wir mit der Bereitstellung der Alm beschäftigt.
In Tirol liegt sie, genauer gesagt oberhalb des malerischen Dorfs "Westendorf". Was wir als ZDF-Produktion in diesem Fall bsonders lustig finden: Sie heißt "Lärchenberg-Alm" - nur mit einem "Ä" statt wie der gleichnamige Lerchenberg, auf dem das Sendezentrum steht.
Lange kennen wir die Alm nur aus den Erzählungen des Senners "Sepp", da bis in den Mai noch Schnee dort liegt und wir sie nicht besichtigen können.
Und was sich in den ersten Beschreibungen noch romantisch nach Heidi-Idylle anhört, zeugt in der Realität von einem kargen Leben auf der Alm: 3 kleine Kammern, ein Holzofen, Licht per Wasserkraft, Wasser aus dem Trog vor der Hütte – das war’s.

Die Milch machts!

Kuh am Euter zupfen, Milch in Eimer auffangen - so oder ähnlich sehen die Vorstellungen eines Städters zum Thema Melken aus. Steht eine Kuh aber erst mal vor einem, sinkt der Mut.


Kühe sind große Tiere. Große, Respekt einflößende Tiere. Und so sind unsere Almaspiranten erst mal erleichtert, dass das zu bearbeitende Euter aus Gummi und die Milch nur Wasser ist. Was einfach aussieht, entpuppt sich für die meisten Kursteilnehmer als erste Bewährungsprobe.
Und erst nach diesen erfolgreichen Übungen wird der Wahrheit ins Kuhauge geblickt: 700 Kilo Tier soll Milch abgeluchst werden - und zwar auf professionelle Weise. Vormelken, Euter säubern. Dann kräftig massieren - anrüsten, wie der Fachmann sagt - damit die Milch einschießt und schließlich Melkgeschirr anlegen. Und irgendwann - mit viel Geduld des Melklehrers und der Kühe - beginnt sie dann zu laufen: die gute Tiroler Alpenmilch.

Montag, 31. Mai 2010

Trainingslager für Hirten

Schnell war klar, dass das Projekt „Almsommer 2010“ nur dann gelingen kann, wenn die Familie wenigstens einen Hauch von Sachkenntnis einbringen würden. Die Eintrittskarte auf eine Alm würde nur über einen so genannten "Hirtenkurs" ausgestellt werden - Bedingung auch des Senners, der uns seine Tiere für einen Sommer überlassen wollte.
Und so schickten wir den erwachsenen Teil unserer Almfamilie zum Grundkurs für Hirten und Almpersonal, der von der Tiroler Almwirtschaft organisiert wird.


Mai 2010 - In der Landwirtschaftliche Lehranstalt
In Weitau/Tirol sitzen 17 erwachsene Menschen in einem Schulraum und schauen sich neugierig an. 17 sehr unterschiedliche Menschen – Versicherungskauffrau die eine, Lkw-Fahrer im Ruhestand der andere, Student im fortgeschrittenen Stadium der dritte und unsere Städterfamilie. Sie alle verbindet ein Ziel: In vier Tagen Grundwissen erwerben über das Leben auf einer Alm in den Alpen.

Und so ist denn auch das Schulungsprogramm ziemlich straff angelegt: Grundlagen der Nutztierhaltung, Tieranatomie und -gesundheit, Melken in Theorie und Praxis, Klauenpflege, Almwirtschaft im Allgemeinen und in den Tiroler Alpen im Besonderen. Das sind die Themen, über die ab jetzt von früh morgens bis spät abends gesprochen wird

Dienstag, 18. Mai 2010

Nicht mit meinen Kühen!

„Ja, könnt ihr das überhaupt?“ „Habt's ihr denn schon mal eine Kuh gemolken?“ „Mit meinen Viechern macht's ihr das net!“ - Egal ob im Allgäu, im Berchtesgadener Land oder in Tirol: Die spontanen Reaktionen gestandener Bauern auf unsere Idee, ihr Milchvieh einen Sommer lang auf einer Alm von einer Familie betreuen zu lassen, waren immer die gleichen: Stirnrunzeln, ungläubiges Kopfschütteln, Ablehnung.
Man kann unser Ansinnen ungefähr mit dem Wunsch eines Kindes vergleichen, sich das Auto seiner Eltern ausleihen zu dürfen. Macht man ja auch nicht - auch wenn das Kind weiß, dass man mit dem Lenkrad lenkt und irgendwo Benzin eingefüllt werden muß.
Denn genauso unbedarft ist die Familie:
Im „richtigen Leben“ sind sie Malerin, Journalist und ganz normale Teenager: Elke Heydecke, Stefan Hanf und ihre Kinder Paul (13) und Emma (11) und allesamt landwirtschaftliche Neulinge.

Aufgewachsen in der Stadt und der Generation "Heidi" ist die Alm in unserer Vorstellung ein Ort, an dem der Almöhi gemütlich sein Pfeifchen schmaucht und die friedlich vor sich hin grasenden Kühe beobachtet. Kein Zivilisationsstreß, sonnige Blumenwiesen vor Alpenpanorama.
Und die Kuh hat ein Euter. Aus dem kommt Milch raus und aus der wird Käse gemacht. Soweit aus unserer Sicht ganz einnfach.
Leider nur aus unserer Sicht.